Lesen, Hören, Sehen unterm Dach

Versuch zu einer Bildungs­biografie unten, im Westfalen der 60er Jahre …

Das nach­träg­lich unterm Dach des Rei­hen­hau­ses in einer die­ser orts­ran­di­gen Schwer­punkt­sied­lun­gen der spä­ten fünf­zi­ger Jah­re der zu eng gewor­de­nen Fami­li­en­ver­hält­nis­se wegen aus­ge­bau­te Zim­mer mit sei­nen schrä­gen Wän­den, mit Fens­ter und Tür zum Auf­gang und einem nur klei­nen Gau­ben­fens­ter im Dach nach drau­ßen, wel­ches aber den Blick in den Him­mel frei­gab, nach Wes­ten hin über die Fel­der des fla­chen Lan­des, dort­hin, von wo her der Wind meist die Wol­ken trieb: es war sein Zim­mer für sich. Dort such­te er allein gelas­sen die Ant­wort auf den Satz des Vaters zum Vier­zehn­jäh­ri­gen, der die ers­ten drei Schul­jah­re doch auch sein Klas­sen­leh­rer gewe­sen war: Du bist alt genug, Du must sel­ber wis­sen, was Du tust: Fremd in die Welt da drau­ßen in der Stadt gelas­sen, in der er Auf­stieg durch Bil­dung erlan­gen soll­te, poli­ti­sches Ver­spre­chen sei­ner Zeit wie einst Hoff­nung sei­nes Vaters.


Alfred Andersch
Stefan Andres
Wolf Biermann
Heinrich Böll
George Grosz
  • Hei­mat­li­che Gestal­ten. Zeich­nun­gen. Frank­furt am Main und Ham­burg, Fischer Büche­rei 1966 [1966]1Unter­strei­chung im Vor­wort von Hans Sahl, IX: “Wenn man genau­er hin­sieht”, schrieb er im Vor­wort zu sei­ner Map­pe ´Über alles die Lie­be´ (1930), “wer­den Men­schen und Din­ge leicht dürf­tig, häß­lich und oft sinn­los oder zwei­deu­tig.” 2Ein­ge­leg­ter Zei­tungs­aus­schnitt: Hil­de­brandt, Die­ter: Quab­ber­mäu­ler und ver­faul­te See­len. Die Geor­ge-Grosz-Aus­stel­lung in der Ber­li­ner Aka­de­mie der Küns­te. Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, 16.10.1962
Stefan Hermlin
  • Die Zeit der Gemein­sam­keit. In einer dunk­len Welt. Zwei Erzäh­lun­gen (= Quart­hef­te; 16) Ber­lin, Ver­lag Klaus Wagen­bach 1966 [9.1966]3»Die Zeit der Gemein­sam­keit« (1949), Ste­phan Herm­lins umfang­reichs­tes Pro­sa­werk, ist ein bis in Ein­zel­hei­ten getreu­er Bericht über den War­schau­er Get­to­auf­stand 1943 — zugleich eine Erzäh­lung von Mio­tek, Fran­ka und den Freun­den, von ihren Gedan­ken, Erin­ne­run­gen, von ihrem Tod, von vier Wochen Frist, die ihnen gesetzt war für eine Zeit der Gemein­sam­keit. »In einer dunk­len Welt« (1964): ein Nekro­log auf den Wider­stands­kämp­fer Her­mann R., den sei­ne Schwes­ter ver­riet und schwei­gend ver­ges­sen will. Zwei Erzäh­lun­gen auf der Suche nach denen, »die feu­ri­ge Türen hin­ter sich zuge­macht hat­ten«. (Ver­lag)
Georg Heym
Walter Höllerer
Georg Christoph Lichtenberg
  • Gedan­ken­bü­cher. (= Excem­pla Clas­si­ca. Die Fischer Biblio­thek der hun­dert Bücher; 82) Frank­furt am Main und Ham­burg, Fischer Büche­rei 1963 [1964]
Ernst Meister 4EVERNOTE: planet lyrik
Marcel Schwob
  • Gabe an die Unter­welt. Zwei­und­zwan­zig Lebens­läu­fe. (= Fischer Büche­rei; 317) Frank­furt am Main und Ham­burg, Fischer Büche­rei 1960 [1966]5″… Mar­cel Schwob »sah die andern als and­rer; nicht von sich aus, son­dern von ihnen aus. Sei­ne Bli­cke waren im Fer­nen bei ganz bestimm­ten Zau­be­rern, Gauk­lern und Ver­zück­ten, in den Wein­schen­ken Korinths, bei Fisch­händ­lern, Skla­ven, Flö­ten­blä­se­rin­nen, auch im vori­gen Jahr­hun­dert bei Pira­ten, Dir­nen und Ver­bre­chern, in vie­len Ver­gan­gen­hei­ten bei Hel­den und Hei­li­gen, Köni­gen und Päps­ten, und er erzähl­te ihre Begeg­nun­gen, als ob er selbst der Fisch­händ­ler, der Skla­ve, der König und der Papst gewe­sen wäre. Mit ihnen erlitt er jeden Glau­ben und Aber­glau­ben, ihre Furcht und ihren Mut, ihren Schmerz, ihre Sie­ge und Zwei­fel, und mel­de­te ganz kurz, was er erlit­ten hat­te: immer von neu­em ein ein­ma­li­ges, unver­tausch­ba­res, gewis­ser­ma­ßen unwie­der­hol­ba­res Schick­sal. Er erleb­te vie­le der Unzäh­li­gen, aber sich selbst als Gespenst unter ihnen, nein, noch weni­ger, ein augen­blick­li­cher Schat­ten, ein Gewand­fet­zen, den sie berührt, die flüch­tigs­ten Wor­te, die sie gespro­chen, irgend ‚etwas Unsin­ni­ges, das sie getan hat­ten. …” (Vor­wort Jacob Heg­ner)
Ludwig Thoma
Ernst Toller

Katholizismus
  • Fritz J. Rad­datz (Hrsg.): Sum­ma ini­uria oder Durf­te der Papst schwei­gen? Hoch­huths “Stell­ver­tre­ter” in der öffent­li­chen Kri­tik. Rein­bek bei Ham­burg 1963 [1963]

  • Bildung und Erziehung

    Picht, Georg, 1965: Die deut­sche Bil­dungs­ka­ta­stro­phe.“Die The­sen, die ich vor bald zwei Jah­ren vor­ge­tra­gen habe, sind heu­te um nichts weni­ger aktu­ell; man hat in der Zwi­schen­zeit zwar viel gere­det, aber es wur­de erschre­ckend wenig getan, um den Not­stand, den ich geschil­dert habe, zu über­win­den,” (Vor­wort) [10.1965]  —  …

    Geschichte

    Han­no­ver-Drück, Eli­sa­beth; Han­no­ver, Hein­rich (Hrsg.), 1967: Der Mord an Rosa Luxem­burg und Karl Lieb­knecht. Doku­men­ta­ti­on eines Ver­bre­chens. [1968]  —  …

    Geschichte: Nationalsozialismus, Antisemitismus

    Bren­ner, Hil­de­gard, 1963: Die Kunst­po­li­tik des Natio­nal­so­zia­lis­mus.  [1966]  —  Fried­rich-Ebert-Stif­tung (Hrsg.), 1960: Die Reichs­kris­tall­nacht. Der Anti­se­mi­tis­mus in der deut­schen Geschich­te.   —  Küp­pers, Eri­ca, 1962: Got­tes Volk. Eine Arbeits­hil­fe zur Behand­lung der Juden­fra­ge in evan­ge­li­scher Sicht. [1963]  —  Mit­scher­lich, Alex­an­der; Miel­ke, Fred, 1949: Wis­sen­schaft ohne Mensch­lich­keit. Medi­zi­ni­sche und euge­ni­sche Irr­we­ge unter Dik­ta­tur, Büro­kra­tie und Krieg. [1966]Diese ers­te Auf­la­ge in Höhe von 10.000 Exem­pla­ren war “ledig­lich für die West­deut­schen Ärz­te­kam­mern bestimmt” | 1966 aus dem Ramsch­korb eines Anti­qua­ri­ats in Bie­le­feld für eine Mark gefischt!  —  Rad­datz, Fritz J. (Hrsg.), 1963: Sum­ma ini­uria oder Durf­te der Papst schwei­gen? Hoch­huths “Stell­ver­tre­ter” in der öffent­li­chen Kri­tik.  [1963]  —  …

    Katholizismus
    Kunst

    Heym, Georg, 1962: Umbra vitae. Nach­ge­las­se­ne Gedich­te. Mit 46 Holz­schnit­ten von E. L. Kirch­ner. [1963]  —  Sedl­mayr, Hans, 1963: Ver­lust der Mit­te. Die bil­den­de Kunst des 19. und 20. Jahr­hun­derts als Sym­ptom und Sym­bol der Zeit.  —  …

    Literatur

    Andersch, Alfred, 1960: San­si­bar oder der letz­te Grund. Roman. [1964]  —  And­res, Ste­fan  —  Bie­mel, Wal­ter, 1964: Jean-Paul Sart­re in Selbst­zeug­nis­sen und Bild­do­ku­men­ten. [5.1964]  —  Böll, Hein­rich  —  Brä­ker, Ulrich, 1963: Lebens­ge­schich­te und natür­li­che Eben­teu­er des armen Man­nes im Tocken­burg. [5.1966]  —  Frisch, Max, 1965: Tage­buch 1946–1949. [1965]  —  Johann, Ernst, 1965: Georg Büch­ner in Selbst­zeug­nis­sen und Bild­do­ku­men­ten. [1965]  —  Kaschnitz, Marie Lui­se, 1966: Beschrei­bung eines Dor­fes. [1967]Geschil­dert wird die Wirk­lich­keit, die sich gesam­melt hat in den Lebens­läu­fen der Leu­te und den Gegen­stän­den des täg­li­chen Gebrauchs und die sich nie­der­schlug in den Kon­ven­tio­nen und den mensch­li­chen Bezie­hun­gen.  —  Kes­t­ing, Mari­an­ne, 1962: Ber­tolt Brecht in Selbst­zeug­nis­sen und Bild­do­ku­men­ten. [1.1964]  —  Len­nig, Wal­ter, 1963: Gott­fried Benn in Selbst­zeug­nis­sen und Bild­do­ku­men­ten. [12.1964]  —  Lenz, Sieg­fried, 1962: So zärt­lich war Suley­ken. Masu­ri­sche Geschich­ten.  1964: Brot und Spie­le. Roman. [9.1964]  —  Wagen­bach, Klaus, 1964: Franz Kaf­ka in Selbst­zeug­nis­sen und Bild­do­ku­men­ten. [1964]  —  …

    Literatur: Poesie

    Bau­de­lai­re, Charles, 1959: Die Blu­men des Bösen. [1965]  —  Bier­mann, Wolf  —  Bin­gel, Horst (Hrsg.), 1963: Zeit­ge­dich­te. Deut­sche poli­ti­sche Lyrik seit 1945. [7.1964]  —  Heym, Georg, 1962: Umbra vitae. Nach­ge­las­se­ne Gedich­te. Mit 46 Holz­schnit­ten von E. L. Kirch­ner. [1963]  —  Höl­le­rer, Wal­ter, 1964: Gedich­te. Wie ent­steht ein Gedicht? [1965]  —  Kol­mar, Ger­trud, 1963: Tag- und Tier­träu­me: Gedich­te. [1963]  —  …

    Politik

    Jas­pers, Karl, 1964: Die Atom­bom­be und die Zukunft des Men­schen. [1967]  —  Koest­ler, Arthur u.a., 1962: Ein Gott, der kei­ner war. [1966]  —  …


    Mathematik und Naturwissenschaften

      • Isaacs, Alan: Ein­füh­rung in die Natur­wis­sen­schaft von heu­te. (= Fischer Büche­rei. Bücher des Wis­sens; 618) Frank­furt am Main und Ham­burg, Fischer Büche­rei 1964 [11.1964]“Unzweifelhaft bedeu­ten ther­mo­nu­klea­re Reak­tio­nen den Schlüs­sel für die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung unse­rer Zivi­li­sa­ti­on. Die Völ­ker der Welt müs­sen ent­schei­den, ob die­ser Schlüs­sel dazu gebraucht wer­den soll, das Vor­rats­haus der frei­en Ener­gie für jeder­mann zu öff­nen, oder ob er das Tor zur end­gül­ti­gen Kata­stro­phe eines H‑Bom­ben-Krie­ges auf­schlie­ßen wird.” (223)

    • 1
      Unter­strei­chung im Vor­wort von Hans Sahl, IX: “Wenn man genau­er hin­sieht”, schrieb er im Vor­wort zu sei­ner Map­pe ´Über alles die Lie­be´ (1930), “wer­den Men­schen und Din­ge leicht dürf­tig, häß­lich und oft sinn­los oder zwei­deu­tig.”
    • 2
      Ein­ge­leg­ter Zei­tungs­aus­schnitt: Hil­de­brandt, Die­ter: Quab­ber­mäu­ler und ver­faul­te See­len. Die Geor­ge-Grosz-Aus­stel­lung in der Ber­li­ner Aka­de­mie der Küns­te. Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, 16.10.1962
    • 3
      »Die Zeit der Gemein­sam­keit« (1949), Ste­phan Herm­lins umfang­reichs­tes Pro­sa­werk, ist ein bis in Ein­zel­hei­ten getreu­er Bericht über den War­schau­er Get­to­auf­stand 1943 — zugleich eine Erzäh­lung von Mio­tek, Fran­ka und den Freun­den, von ihren Gedan­ken, Erin­ne­run­gen, von ihrem Tod, von vier Wochen Frist, die ihnen gesetzt war für eine Zeit der Gemein­sam­keit. »In einer dunk­len Welt« (1964): ein Nekro­log auf den Wider­stands­kämp­fer Her­mann R., den sei­ne Schwes­ter ver­riet und schwei­gend ver­ges­sen will. Zwei Erzäh­lun­gen auf der Suche nach denen, »die feu­ri­ge Türen hin­ter sich zuge­macht hat­ten«. (Ver­lag)
    • 4
      EVERNOTE: pla­net lyrik
    • 5
      “… Mar­cel Schwob »sah die andern als and­rer; nicht von sich aus, son­dern von ihnen aus. Sei­ne Bli­cke waren im Fer­nen bei ganz bestimm­ten Zau­be­rern, Gauk­lern und Ver­zück­ten, in den Wein­schen­ken Korinths, bei Fisch­händ­lern, Skla­ven, Flö­ten­blä­se­rin­nen, auch im vori­gen Jahr­hun­dert bei Pira­ten, Dir­nen und Ver­bre­chern, in vie­len Ver­gan­gen­hei­ten bei Hel­den und Hei­li­gen, Köni­gen und Päps­ten, und er erzähl­te ihre Begeg­nun­gen, als ob er selbst der Fisch­händ­ler, der Skla­ve, der König und der Papst gewe­sen wäre. Mit ihnen erlitt er jeden Glau­ben und Aber­glau­ben, ihre Furcht und ihren Mut, ihren Schmerz, ihre Sie­ge und Zwei­fel, und mel­de­te ganz kurz, was er erlit­ten hat­te: immer von neu­em ein ein­ma­li­ges, unver­tausch­ba­res, gewis­ser­ma­ßen unwie­der­hol­ba­res Schick­sal. Er erleb­te vie­le der Unzäh­li­gen, aber sich selbst als Gespenst unter ihnen, nein, noch weni­ger, ein augen­blick­li­cher Schat­ten, ein Gewand­fet­zen, den sie berührt, die flüch­tigs­ten Wor­te, die sie gespro­chen, irgend ‚etwas Unsin­ni­ges, das sie getan hat­ten. …” (Vor­wort Jacob Heg­ner)